Mehr Farbe im Leben – C41 Entwicklung zuhause

Wenn man anfängt sich mit echtem Film zu beschäftigen wird man sich irgendwann über die Entwicklung zuhause Gedanken machen. Für Viele ist es die bessere Kontrolle, die kurze Wartezeit oder beides. Vom Geld her rechnet sich das Selbstentwickeln nur bedingt, da neben der Chemie noch ein paar Utensilien anfallen und man schnell bei über 50 € ist. Dafür kann man au dem herkömmlichen Weg schon ca. 20 Filme ohne Abzüge entwickeln lassen.  Wenn man nun aber mehr über das Entwickeln liest wird man sehr schnell die einhellige Meinung in Internetforen finden, das Schwarz Weiß zwar kein Problem ist, aber man von Farbentwicklung doch besser die Finger lassen sollte. Diese C41 Entwicklung muss sehr genau erfolgen, ist teuer, kleinste Fehler zerstören das Ergebnis und so weiter.

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Das Gegenteil ist der Fall, die C41 Entwicklung ist im Gegensatz zur Schwarz Weiß Entwicklung komplett standardisiert. Das heißt jeder Film der mit C41 entwickelt werden kann wird gleich behandelt, egal welche ISO oder was auch immer. Die Farbentwicklung wird durch mehrere Faktoren bestimmt, der Standard für den Entwickler ist 38,0 °C und 3,15 Minuten Entwicklung. Durch die relativ kurze Zeit und hohe Temperatur bleibt nicht viel Spielraum für Fehler. Es gibt Maschinen von Jobo um die Entwicklung zu automatisieren, das lohnt sich allerdings nur, solange man keine 40 Filme im Monat belichtet.

Da es sich bei Filmentwicklung um relativ einfache Chemie handelt, kann man die Faktoren verändern, der Entwickler arbeitet auch bei anderen Temperaturen völlig normal. Wenn wir nun 30°C statt 38°C nehmen, müssen wir lediglich die Zeit auf 8 Minuten erhöhen (Prozess wird in der Tetenal Packungsbeilage explizit beschrieben).

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Nun aber los, folgende Sachen benötigen wir:

  • C41 – Chemie (z.B. Tetenal 1l C41 KIT)
  • Entwicklerdose für Film (z.B. Jobo JET)
  • Trichter
  • Sauberes Waschbecken oder Eimer
  • belichteten Film (ohne wird es sehr schwer)
  • schnelles Thermometer (Ebay lässt grüßen)
  • Stoppuhr oder Develop! iPhone App
  • optional: Suppendose

 

Die Chemie wird nicht einsatzbereit geliefert, sie muss also vorher zusammen gemischt werden. Dies ist bei Tetenal sehr einfach, für den Entwickler nimmt man 7+1+1+1 Teile also z.B: 700ml (Wasser) + 100ml (CD1)+ 100ml (CD2) + 100ml (CD3) = 1000ml Entwickler. Es sind auch Teilansätze möglich, da so die Chemie länger hält. Die an gemischte Chemie reicht für 12 – 16 Kleinbildfilme und ca 2 Monate. Man findet im Internet auch einige Berichte, dass man 40+ Filme über 12 Monate entwickeln kann, allerdings sollte man dann alle  4 – 5 Filme die Zeiten anpassen.

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Einfach in einen Behälter 10 – 20l Wasser mit 35°C einlaufen lassen, Chemie und Dose darin vorwärmen. Das Wasser sollte über einen Zeitraum von 15 Minuten auf 32°C abkühlen. Wenn diese Temperatur erreicht ist, kann es zur Sache gehen. Die Dose mit Wasser aus dem Wasserbad füllen und den Film nochmals 5 Minuten vorwässern (darauf achten das der Film bereits in der Dose ist !). Sollte das Wasser in der Zwischenzeit zu kalt werden, kann einfach heißes Wasser nachgegossen werden.

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CD – 8 Minuten:

Wenn das Thermometer 30°C erreicht gibt es kein Zurück mehr. Jetzt wird der Entwickler in die Dose eingefüllt und wird wie bei S/W ein paar Mal kräftig aufgestoßen. Die Dose wird dann zurück ins Wasser gelegt und gedreht. Alle 20 Sekunden kippe ich die Dose einmal. Dann geht es wieder zurück ins Wasser und es wird entgegengesetzt gedreht. Dies geschieht für 07:50, danach wird der Entwickler für ca. 10 Sekunden ausgegossen.

BX – 5 Minuten:

Jetzt folgt ohne Wartezeit das Bleichfix. Hier wird ebenfalls aufgestoßen und gedreht, aber nur alle 30 Sekunden einmal gekippt. ACHTUNG: Das Blix stinkt und macht wirklich unschöne Flecken. Außerdem kann sich in der Dose ein Überdruck bilden, durch die 30°C sollte die nicht so extrem sein wie bei 38°.

 

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Wässern – 3 Minuten:

Wenn das Blix wieder in der Flasche ist, wird die Dose mit Wasser aus dem Wasserbad gefüllt und kontinuierlich gekippt für ca. 3 Minuten. Sobald das Wasser komplett klar ist beim Ausgießen (in den Abfluss) ist der Film sauber.

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Stabi – 1 Minute:

Ich fülle das Stabibad immer in eine extra Dose, da der Stabi der Tod für Entwickler und Blix ist, sollte dieser so wenig wie möglich mit Gerätschaften in Berührung kommen, außerdem muss man dann die Entwicklerdose nicht so übel schrubben. Im Stabi wird der Film noch auf der Spule für 1 Minute auf und ab bewegt.

Wischen und Trocknen:

Noch von der Spule ziehe ich den Film durch ein doppelt gelegtes Küchentuch um Reste vom Stabi zu entfernen und Flecken vorzubeugen. Die Abziehzangen können zu Kratzern führen. Nun wird der Film an einem staubfreien Ort (Badezimmer) für eine Stunde zum Trocknen aufgehängt. Nach ca. 1 Stunde könne die Bilder gescannt oder weiterverarbeitet  werden.

 

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Danach können die Dosen mit Feuerzeuggas aufgefüllt werden. Man kann auch Protectan kaufen, das ist dasselbe nur 17€ teurer. Das Gas legt sich auf die Chemie und verhindert so, dass diese mit Sauerstoff in Berührung kommt. Das war´s. Ich muss sagen, alles in allem ein sehr einfacher Prozess mit Ergebnissen die überraschen. Man sollte nie außer Acht lassen, das man hier mit Chemie arbeitet und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen (Handschuhe etc.) Außerdem gehören die Reste danach nicht in den Abfall sondern zum Sondermüll!

Author Bio

Hier steht der BioMüll

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