04 – Voigtländer Prominent

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Prominent, das war diese Kamera leider nie wirklich. 1950 stellte Voigtländer die Prominent auf der Photokina vor. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Contax und Leica im gehobenen Segment marktführend. Das deutsche Traditionsunternehmen aus Braunschweig wollte mit dieser Kamera endlich Fuß im Kleinbildformat fassen.

Voigtländer war durch hervorragende Operngläser groß geworden und hatte den endgültigen Durchbruch mit revolutionären Optiken geschafft. Diese waren die ersten mathematisch berechneten Präzisionsobjektive der Fotogeschichte. Die Berechnungen stammten von  Jozef Macimilián Petzval. Diese Objektive schafften eine bis dahin unerreichte Lichtstärke von 1/3.5 Eines der Petzval Objektive wird gerade von der Lomografie AG neu herausgebracht.

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Die Prominent ist nicht so bekannt wie einige andere Modelle aus dieser Zeit. Das ist verwunderlich, denn es handelt sich um eine vollwertige Systemkamera die trotzdem einen Zentralverschluss (Blitzsynchron 1/500) bietet. Außerdem konnte ein Reflexgehäuse zwischen Objektiv und Gehäuse angebracht werden um einen echten Blick durch die Linse zu erhalten.

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Es wurden einige bekannte Objektive für dieses System angeboten (Skopar, Nokton etc.) außerdem wurde das Ultron, ein Sechslinser, erstmals mit dieser Kamera vertrieben. Dieses Objektiv soll gleichauf oder besser sein als das berühmte Summicron. Aber nun erstmal zu den technischen Daten.

Technische Daten:

  • Herstellungsjahr:  1957 (Version 7)
  • Herstellungsland: Deutschland
  • Negativgröße: 24mm x 36mm
  • Linse: 6 Element Ultron
  • Fokusbereich: 1 m bis Unendlich
  • Brennweite: 50 mm
  • Blende: f2
  • Verschlusszeit: 1/500 bis 1 Sekunde
  • Selbstauslöser
  • Doppelbelichtungssperre

 

Für das Gehäuse wurden damals ca 290,- DM fällig, das Ultron kommt nochmals mit 495,- DM dazu, also keine Kamera für Amateure. Man muss bedenken, dass das Durchschnittsentgeld eines Deutschen 1957 bei 420,25 DM (BRUTTO) lag!

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Bei dieser Kamera handelt es sich um eine Messsucherkamera (Rangefinder). Beim Blick durch den Sucher wird in der Mitte ein Punkt eingespiegelt in dem die Konturen eines zweiten Sichtfensters sichtbar werden. Wenn man nun eine vertikale Kontrastlinie im Bild hat, kann über die Entfernungeinstellung das Bild bewegt werden. Liegen nun beide Bilder plan ist das Objekt im Fokus. Klingt schwerer als es ist, und nach einigem Üben eine sehr angenehme Art das Bild scharf zu stellen. Diese Technik funktioniert natürlich nur wenn genug Licht vorhanden ist. Sollte es zu dunkel werden, können immer noch die Entfernungsangaben auf der Kamera genutzt werden.

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Zusätzlich ist auf den Bildern ein Kontursucher zu sehen. Man blickt mit einem Auge durch diesen Sucher und lässt, anders als üblich, das zweite Auge auf. Nun erscheinen wie bei einem Schielbild  die Konturen des Suchers im Raum und man kann das Bild so komponieren. Dieser Sucher wird auf dem Blitzschuh montiert. An der Unterseite kann mittels einer Merkscheibe eingestellt werden was für ein Film eingelegt ist. Ich würde trotzdem den Packungszettel ankleben, denn wenn ich mir schon den Film nicht merken kann, vergesse ich auch was mit Gelb gemeint ist ;)

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Bei meiner Version ist bereits ein Schnellspannhebel vorhanden. wWitzigerweise muss man um ein Bild weiter zu kommen den Hebel zweimal betätigen, das erste Mal spannt den Auslöser, das zweite Mal bewegt den Spannmechanismus wieder zurück. Der Film wird intern mit so einer Kraft bewegt, das bei meinem Testfilm zweimal die Perforation gerissen ist, zum Glück dreht die Aufnahmespule stark genug mit, sonst wäre der Film stehen geblieben.

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Die gesamte Verarbeitung der Kamera macht einfach Spaß, es fühlt sich alles sehr wertig an und funktioniert noch wie am ersten Tag. Die langen Belichtungszeiten sind natürlich nach über 50 Jahren ein wenig länger geworden. Aber der Messsucher ist sehr angenehm zu benutzen. Die Blenden laufen butterweich (ohne Einrastpunkte). Wenn man einen halbwegs guten Punktbelichtungsmesser zur Hand hat (ich hatte mein iPhone dabei) bekommt man sehr scharfe Bilder mit einem schönen Bokeh. Bei 50mm im Kleinbildformat auch ohne Verzerrungen. Auf alle Fälle eine Kamera die mehr Beachtung verdient hätte.

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P.S.: Die Schärfe der Negative kann man daran erkennen dass sie selbst beim Scannen noch überdurchschnittlich scharf sind (ISO 400 Paradies Film). Ich glaube ich werde mal einen guten Film durch diese Kamera spulen und dann entwickeln lassen mit Abzügen….

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1 Comment

  1. Rainer - 20. Januar 2014

    … die Qualität der Fotos hat mich wirklich überrascht. Hätte ich nicht erwartet,

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