Lomo Lubitel 166 Fokus einstellen

LoMo-2704

Da das Wetter ja draußen nicht grade das Beste ist und ich mir sowieso einen Virus eingefangen habe (den Analog-Virus), habe ich mal wieder im großen Fundus meines Vaters gestöbert. Dabei ist die eine oder andere Rarität zu Tage gekommen. Eigentlich viel zu viele schöne Kameras die ich gerne alle wenigstens mal mit einem Film benutzen würde. Außerdem waren ein paar alte Carte De Visite dabei, dazu aber bald mehr ;)

Da wie schon gesagt das Wetter eher dazu einlädt sich unter einer Decke zu verkriechen als draußen herum zu laufen, habe ich eine der älteren Kameras ein wenig aufpoliert. Es handelt sich um die Lomo Lubitel 166. Der Firmenname sollte einigen bekannt vorkommen. Durch den LOMO Compact Automat (LC-A) enstand die Lomographiebewegung. Bei dieser handelt es sich kurz gesagt um das in kaufnehmen technischer Mängel als Bildgestalltungsmittel. Wo also alle anderen das letzte von Ihrer Kamrea fordern ist der Lomograph eher an “schlechter” Qualität interessiert. In der Lomografie werden viele Spielzeug Kameras (Holga, Diana, etc.) benutzt. Viele sind auf der suche nach besonders falschen Farben beim Film mit viel Unschärfe und optischen Fehlern (lichtundichte Kameras, Objektive mit falscher Planlage usw.) Man sollte nun aber nicht denken Lomographie sei knipsen. Das würde der Hipster mit nachgemachter Wayfarer und Undercut nicht gerne hören. Lomographie ist Kunst… Ähm ja, zurück zur Kamera.

LoMo-2701

Was ich an dem Gerät reizvoll finde ist das die Anzahl der Schrauben in etwa bei 9 liegt (inkl. Madenschrauben am Objektiv). ich habe die Kamera zum Reinigen weitestgehend zerlegt. Wo man bei meiner D600 schon ein Handbuch braucht um alleine die möglichen Fokus Modi zu verstehen und kennenzulernen, kann man hier die gesamte Mechanik und Technik der Kamera in weniger als 10 Minuten erfassen. Im Vergleich zu vielen Lomo Kameras ist diese schon sehr ausgefeilt. Echte Lomographie heisst auch den technischen Aspekt der Fotografie soweit auszublenden das nur noch die Bildgestaltung über bleibt. Also übersimplifikation als Stilmittel. Wenn man Lomografie so betreibt und nicht nur Hippster ist, dann kann es wirklich zur Kunst werden. Die Lubitel (russisch für Anfänger) hat die üblichen Einstellungen, Zeit, Blende und Fokus.Damit kann man an dieser Kamera schon mehr einstellen als an einer Diana oder Holga. Die Linse kann durchaus abgeblendet gute Bilder machen. Aber für die Lomografie sollte man die Blende komplett offen lassen. Denn dann werden die Bilder leicht unscharf haben eine schöne Vingette und zu den Rändern hin eine leicht swirlige Unschärfe.

CK-6409

Es handelt sich um eine TLR Kamera (Twin Lens Reflex) also wird wie bei der Seagull über eine Linse scharf gestellt und ausgerichtet aber über eine zweite bessere Optik das Bild gemacht wird. Allerdings war die Aufnahmelinse mechanisch von der Sucherlinse getrennt, da beide aber verbunden sein müssen um ein Bild scharf zu stellen musste ich den Fokus auf alle Fälle überprüfen. Es stellte sich heraus, dass nicht nur die Aufnahmelinse verstellt war, sondern auch die Sucherlinse nicht mit den Meterangaben übereinstimmte. Also muss alles neu geeicht werden. Eine schöne Aufgabe bei dem Wetter. Aber wie ? Eigentlich ganz einfach. Wer bis jetzt die Artikel zu “Wie ein Bild entsteht” gelesen hat sollte keine Probleme haben ;)

LoMo-2711

Als erstes habe ich die Rückklappe vom Body entfernt und dort wo das Negativ sitzen würde ein transparentes Papier angeklebt. Das kann Butterbrotpapier, Abpauspapier, Technisches Papier oder Scott Magic Tape sein. Alles führt dazu, das bei geöffnetem Verschluss ein Bild zu sehen ist.

Als zweites musste erstmal die Meterskala wieder eingependelt werden. Ich habe mir eine alte Luftschlange vom letzten Sylvester genommen und diese mit den Angaben der Skala beschriftet. Von 1.3 über 2, 3, und 4 Meter habe ich nun die Messpunkte auf die das Objektiv scharf stellen soll. Die Luftschlange habe ich von dem zu messenden Objekt (in diesem Fall eine Gardine) gespannt. So habe ich die Möglichkeit mehrere Punkte zu prüfen. An dieser Stelle sollte gesagt sein, das Objektive gegen unendlich eingestellt werden sollten, das es sonst vorkommen kann, das diese Entfernung sonst unter Umständen nicht erreicht werden kann. Aber das teste ich an einem Tag mit besserem Wetter.

LoMo-2707

Nun wird die Kamera mit der Negativfläche in Höhe der 4m Marke positioniert und im Sucher wird auf das Testobjekt scharf gestellt. Die kleine Lupe im Lichtschachtsucher hilft zwar weiter, ist aber nicht so gut wie bei einer Seagull. Die 4m habe ich gewählt da hier die Maden-schraube zu sehen ist die die Skala hält. Wenn alles wirklich scharf ist, wird die Madenscharaube gelöst und die Skala so verschoben das die 4m angezeigt werden. Jetzt kann die Entfernungseinteilung auch bei 2 und 1,7m überprüft werden. Wenn soweit alles stimmt kann man  das sich ans eigentliche Objektiv machen. Das Aufnahme Objektiv kann über 4 Schrauben im innenraum von der Sucherlinse getrennt werden um alleine verstellt zu werden. Wenn die Linse autark bewegt werden kann kann wieder bei 4m auf das Objekt scharf gestellt werden. Diesmal geschieht das Einstellen über die selbstgebaute Mattscheibe. Dazu wird die Kamera auf “B” für Bulb gestellt und die größte Blende gewählt (kleinste Zahl). Es wird gespannt und der Auslöser an der Kamera gedrückt. Um eine Hand mehr frei zu haben kann man den Auslöser mit etwas Tesafilm am Gehäuse fixieren. Jetzt erscheint ein Bild auf dem transparenten Papier und es kann eingestellt werden. Wenn nun beide Bilder (Sucher und DIY-Mattscheibe) scharf sind kann man das Aufnahmeobjektiv nach oben schieben und schon ist die Kamera wieder “im Fokus”. Ich werde mal einen einfachen Rollfilm mit der Kamera belichten und mal sehen wie genau ich gearbeitet habe.

LoMo-2713Sehr schön an der Lubitel ist auch die Möglichkeit einen 35mm Film einklemmen und komplett zu belichten, aber auch das ist eine andere Geschichte. Ich werde sobald ich den ersten Film fertig habe hier mal ein paar Ergebnisse posten.

Author Bio

Hier steht der BioMüll

Leave a reply