Panorama – Analog mit der KMZ FT-2

Ein Panorama ist heutzutage nichts Besonderes mehr,  ein iPhone kann mittlerweile, ohne extra App, ein Rundblick erzeugen. Mit dem internen Bewegungsmelder werden Handbewegungen ausgeglichen und die Drehung in Relation zur Kameraposition dazu genutzt ein sauberes Panorama zu erzeugen.

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Das Wort Panorama kommt aus dem Griechischen und bedeutet Ganz- bzw. Alles- Sehen. Doch auch im analogen Zeitalter hat man versucht mit diversen Methoden Panoramen zu erstellen. Die damals einfachste Methode ist eine Großformat Fachkamera mit einem Rollfilm zu versehen. Dadurch erhält man eigentlich nur einen ungewöhnlichen Bildschnitt des Aufnahmeformats. Es existieren aber auch diverse, wenn auch nicht viele, Kameras die Panoramen auf 35mm Film erzeugen können. Eine davon ist die FT-2 von KMZ (Krasnogorsk).  KMZ stellt eigentlich Optiken für militärische Zwecke her. Krasnogorsk ist, unter anderem auch, der Standort von Zorki und Zenit, zwei sehr bekannten russischen Kameramarken.

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Das die FT-2 von einem mit dem Militär verbundenen Hersteller stammt kann man auf den ersten Blick erkennen, diese Kamera könnte aus einem Flugzeug fallen und würde immer noch Funktionieren. Der Name FT bedeutet Fotoapparat Tokarev (Tokarev´s Fotoapperat) und deutet auf den Designer hin. Es handelt sich eigentlich nur um einen, mit einer Feder gespannten, Rotationskörper der in der Mitte eine Optik beinhaltet und ca. 120° drehbar ist. Da die Drehung genau um die optische Achse stattfindet treten keine Paralaxfehler auf. Mit einer Brennweite von 50mm hat man keine Verzerrung zu den Rändern wie bei einem herkömmlichen Weitwinkel. Um das Ganze zu verdeutlichen hier ein kleines Video einer Auslösung.

Im Video kann man schön den Belichtungsschlitz sehen. Beim spannen der Kamera wird dieser verdeckt. Mir ist es beim spannen leider 2 mal passiert das der Knebel in der Mitte abgerutscht ist und ich somit ein halb bzw. im Anschluss doppelt belichtetes Bild hatte. Durch die große Strecke die Licht abbgekkommt werden die Negative 110x35mm groß. Ob mein spezial analog Labor von CeWe damit klar kommt werde ich mit dem nächsten Farbfilm testen. Ich denke das ca. 10 Zettel mit roter Aufschrift “NUR ENTWICKELN NICHT SCHNEIDEN!!!!!” ausreichen sollten. Ansonsten bekommt man ein schönes Puzzle im Kleinbildformat.

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Die Drehung wird mithilfe von 2 Bremsen verlangsamt, so ergeben sich 3 Geschwindigkeiten (1/400 – 1/200 – 1/100). Theoretisch kann man auch beide Bremsen aktivieren und kommt dann auf ca. 1/50 Belichtung. Allerdings läuft die Drehung ungleichmäßiger je langsamer Sie ist. Ein Stativ ist von großem Vorteil, denn durch die bewegte Masse wirken starke Kräfte auf die Kamera. Der Transport des Films wird über ein Zählwerk angezeigt, hier ist zu beachten das der Zeigen 3 komplette Umdrehungen machen muss und dann auf der nächsten Zahl zum stehen kommt. Leider ist die Kamera im Originalzustand ungefähr so lichtdicht wie ein Schweizer Käse. An allen Ecken und Enden kommt Licht rein. Selbst der Auslöser, der passender weise auch noch aus verchromten Metall ist, lässt Licht rein. Hier muss ich nochmal etwas mit Velour nachbessern.

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Der Film wird auf 2 Spezialspulen aufgewickelt. Richtig eingelegt bekommt man auf einen normalen 36er Film 11 bis 12 Aufnahmen. An der Rückseite der Kamera ist ein Sucher angebracht. Dieser ist allerdings so hilfreich wie ein Waffeleisen bei Sturmflut. Ein Bild mit dieser Kamera wird eher nach Erfahrung gemacht und geschätzt. Dadurch sind meine ersten Versuche auch nur mehr oder weniger gelungen. Durch die wirklich beschränkten Möglichkeiten mit einer festen Blende von f/5 hat man auch nicht die größte Tiefen-schärfe. Es existieren allerdings Anleitungen oder besser gesagt Anregungen wie man die Blende auf F/11 bringen kann. Dazu wird eine gefaltete Pappkarte von hinten an die Linse geschoben. Die Belichtung kann man beeinflussen in dem man die Öffnung z.B. filmseitig halbiert. Dadurch würde man effektiv die Belichtungzeit von 1/400 auf 1/800 bringen, da ja der Film nur noch halb soviel Licht abbekommt.

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Alles in allem eine Kamera mit großen Kompromissen, aber ein großer Spaß wenn man den Film eingefädelt hat. Viele Leute schauen und wundern sich was das für ein Schwarzer Kasten ist. Nach genauem Ausrichten ein Klick und der Zylinder dreht sich. Ab hier heißt es dann hoffen das alles drauf ist. Die Bedienung wird am Gerät auch nochmal erklärt, falls man sich die 2 Hebel nicht merken kann.

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Bei Panoramen zeigt sich mehr als bei normalen Bildern wie sehr man auf eine gute Gestaltung achten muss. Denn das Auge hat sehr viel Platz um zu wandern, es gibt kann sehr schnell vorkommen das ein Bild überladen ist mit Eindrücken uns so schnell langweilig oder zu unruhig wird. Daher sollte man sich entsprechend Zeit nehmen und die richtigen Motive suchen. Informationen und ein paar sehr schöne Bilder die mit diesen Kamera gemacht wurden kann man bei Olaf Matthes sehen.

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Hier sind mal ein paar Beispiele von Panoramen die ich mit einem 400 ISO Versuchs-Film geschossen habe. Zum testen bietet sich ein S/W Film an, da ich diesen kurzerhand Zuhause entwickeln kann und nicht auf ein Labor warten muss. Außerdem halten sich so die Kosten im Rahmen wenn kein Bild etwas geworden ist. Die Bilder in voller Größe kann man hier sehen .

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1 Comment

  1. Rainer - 2. November 2013

    … das eröffnet ja neue Möglichkeiten für ‘Lost Places’ Aufnahmen …

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