Wie entsteht ein Bild ? Teil 01 – Die Camera Obscura

In den folgenden Beiträgen will ich versuchen zu erklären wie ein Bild denn genau entsteht. Welche Möglichkeiten hat man zum Beeinflussen als Fotograf ? Was heißen die ganzen Zahlen und Einstellungen an der Kamera. Denn erst wenn man sich mit den Grundlagen vertraut macht, kann man aktiv das Bild beeinflussen.  Natürlich wurde das Thema schon etliche tausend mal behandelt in Form von Büchern, Kursen und Schaubildern. Aber vielleicht findet ja der Ein oder Andere hier ja noch etwas das er nicht wusste. Hier nun der erste Teil – Die Camera Obscura.

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An einer Kamera kann eigentlich gar nicht soviel eingestellt werden. Sicherlich haben heutige Kameras Menüs bis der Arzt kommt, mit den tollsten Funktionen wie z.B. einer Spiegelvorauslösung oder der Möglichkeit einen eigenen Weißabgleich mit + 3 in Richtung Magenta zu Hinterlegen etc. Aber generell verfügen alle Kameras über grundsätzliche Einstellungen oder besser Parameter, einige kann man verändern, andere nicht. Aber wie entsteht eigentlich ein Bild ?Camera_obscura_1

Wenn Licht durch ein Loch fällt das klein genug ist, entsteht im Raum dahinter ein auf dem Kopf stehendes Bild. Dies kommt dadurch zu Stande, das das Loch verhindert das die eindringenden Lichtstrahlen sich gegenseitig überdecken. Man stelle sich einen Raum vor von dem aus eine Kirche, oder wie hier im Beispiel eine Kerze, zu sehen ist. Wenn man nun dieses Fenster komplett abdunkeln würde bis auf ein kleines Loch (wirklich winzig). dann würde auf der dem Fenster gegenüberliegenden Wand ein Bild eben dieser Kirche entstehen. Der Lichtstrahl, der von der Kirchturmspitze reflektiert wird, erzeugt bedingt durch das Loch, einen Lichtpunkt in der Farbe der Kirchturmspitze. Dieser Effekt tritt bei allen Lichtstrahlen auf und bildet so ein mehr oder weniger genaues Bild der Kirche. Bestehend aus Punkten in der Form des Loches. Dieses Phänomen wurde übrigens irgendwann im Zeitraum von 390 bis 450 vor Christus das erste mal aufgezeichnet.

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Jetzt sollte auch klar sein warum das Loch so klein sein muss. Je größer das Loch wird desto größer werden unsere Punkte und fangen an sich zu überlagern. Nun verliert das Bild immer mehr an Schärfe. Man kann das Loch übrigens soweit verkleinern bis man den Strahlendurchmesser des sichtbaren Lichts erreicht (ca. 0.5 µ)Dieses Phänomen wurde schon vor langer Zeit entdeckt. Der Name stammt aus dem Lateinischen, ‘Camera’ bedeutet Raum und ‘Obscura’ soviel wie abgedunkelt.

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Auch heute kann man mit diesem einfachen Effekt ohne Objektiv oder Linse ein Bild machen. Man nennt diese Kamera dann Lochkamera. Es kann von einem Karton mit Loch und Film im inneren bis zu einer Modernen DSLR alles benutzt werden. Zum Zuhause testen bietet es sich an, in einen Gehäusedeckel ein winziges Loch genau in die Mitte zu stechen (siehe Bild) und dann mit der Kamera im Modus ‘M’ ein Bild zu machen. Die Blende liegt irgendwo zwischen 150 und 200, so dass die Belichtungszeit bei mehr als 30 Sekunden liegt (bei gutem Licht). Hier mal ein kleiner Test mit einer auf die Schnelle umgebauten Bodycap. Wobei man sehen kann, dass mein Loch in der Kappe noch viel zu groß ist. Ich werde in den nächsten Tagen mal eine ‘richtige’ Lochkappe basteln und damit draußen aufnehmen.

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Die Kamera Obscura ist natürlich nur der Anfang gewesen. Noch konnte nichts aufgezeichnet werden, es gab noch keinen Verschluss kein Objektiv nichts. Am Grundprinzip hat sich allerdings zwischen Camera Obscura und Nikon D4 nichts geändert. Licht fällt immer noch durch ein Loch und wird auf einer Fläche umgekehrt gespiegelt abgebildet.

Wenn man sich nun vorstellt wie die einzelnen Lichtstrahlen durch das Loch separiert werden, wird auch klar, warum das Bild auf der Projektionsebene auf dem Kopf und seitenverkehrt ist. In einer modernen Kamera wird das Bild natürlich entsprechend gedreht. Nun wurde die Camera Obscura zur Erheiterung genutzt oder als Vorlage zum abzeichnen von der Projektionsfläche.

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Wenn man nun diesen großen Raum entsprechend verkleinert erhält man etwas das schon stark an eine Kamera im engeren Sinne erinnert. Um das Bild nun einzufangen wird ein lichtempfindliches Medium benötigt. Damit kommen wir zum Film. Das ist aber der zweite Teil.

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3 Comments

  1. Wie entsteht ein Bild ? Teil 02 – Der Film | StationOnline - 30. Oktober 2013

    […] wir nun durch unsere Lochblende ein Bild haben das wir entweder auf eine Wand oder eine Mattscheibe projizieren können, ist dies […]

  2. Wie entsteht ein Bild ? Teil 03 – Das Objektiv | StationOnline - 10. November 2013

    […] heißt wird gleich klarer. Doch wie schon im zweiten Teil erwähnt, wurde nach Erfindung der Camera Obscura auch die Linse wieder entdeckt. Man muss wieder entdeckt sagen, da die Linse an sich von Abu Ali […]

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