Wie entsteht ein Bild ? Teil 02 – Der Film

Da wir nun durch unsere Lochblende ein Bild haben das wir entweder auf eine Wand oder eine Mattscheibe projizieren können, ist dies zwar ganz schön anzusehen aber noch nichts für die Ewigkeit. Es mag ja zur Belustigung taugen ein Bild an eine Wand zu werfen (und genau dazu wurde es auch gemacht), aber für vielmehr taugt das nicht. Die ersten Künstler haben das nun entstandene Bild abgepaust. Es wurden mobile Camera Obscura Modelle gebaut die eine von oben einsehbare Mattscheibe zum abzeichnen besessen haben. Man hatte mittlerweile die Linse wieder-entdeckt und sich diese zunutze gemacht, dazu aber mehr in einem der folgenden Teile. Ersmal geht es ein wenig um die Geschichte des Films und wie er zu dem geworden ist was er heute ist. Damit erklärt sich dann auch die Funktionsweise eines Digitalen Sensors. Also, durchhalten, nach dem trockenem Teil sollte ein kleiner AHA-Effekt folgen.

Im 18. Jahrhundert begann man nach Möglichkeiten zu suchen ein Bild permanent aufzuzeichnen. Die erste Aufgezeichnete und erhaltene Fotografie ist der “Blick aus dem Arbeitszimmer” von Joseph Nicéphore Nièpce von 1826.

View_from_the_Window_at_Le_Gras,_Joseph_Nicéphore_Niépce

Das Bild wurde mit einer Camera Obscura für 8 Stunden belichtet. Das Lichtempfindliche Material war in diesem Fall Asphalt der durch das Licht ausgehärtet wurde. Später wurden dich nicht gehärteten Teile mit Ölen vom Träger gelöst .Dieses Verfahren nannte Niépce Heliografie und sollte zur Reproduktion dienen. Allerdings hat Niépce nie eine kommerzielle Nutzung seiner Erfindung erlebt. Die Heliografie wurde von Louis Jacques Mandé Daguerre weiter zur Daguerreotypie entwickelt. Dies ist dann mal wieder ein Blick aus einem Arbeitszimmer. Man könnte annehmen, das damalige Erfinder nicht gerne vor die Tür gegangen sind. Dieses Bild von 1838 ist das erste Bild auf denen Personen aufgenommen wurden. Nicht groß, aber es sind 2 Personen zu erkennen.

Boulevard_du_Temple_by_Daguerre

Damit breitete sich die Fotografie um 1850 rasend schnell aus. Die Belichtungszeiten sanken von 15 Minuten am Anfang auf ca. 30 Sekunden. Also musste für ein Portrait ca. 30 Sekunden still gehalten werden (bei besten Bedingungen). Der leicht steif anmutende Herr ist übrigens der Maler und Erfinder Daguerre. Bei solchen Portraits wurde meist der Kopf von einem Gestell gehalten.

Jean-Babtiste_Sabarier-Blot_L.J.M.Daguerre.1844

 

Die Daguerreotypie war qualitativ sehr hochwertig. Nach der Talbotypie und der Kollodium Nassplatte (eine wunderbare Technik) ging es dann über Positiv/Negativ immer weiter in Richtung heutiger Film. Hier kommt man auch schon zu dem Namensursprung für das Wort ‘Film’. Als Film bezeichnete oder bezeichnet man die Emulsion die auf ein Trägermaterial aufgetragen wird und Lichtempfindlich ist. Also ist der Film nicht das was in der Rolle ist, sondern vielmehr die Aufgetragene Emulsion. Wir belichten also immer eine Emulsion die als Film auf einem Träger ist. Als Träger wurden alle möglichen Materialien genutzt von Glas über Metalle bis zur heutigen Gelantine.

Doch wie funktioniert nun heutiger Film ? Oder richtiger die heutige Fotoemulsion ? Es sind Silbersalze die auf Licht reagieren. Bei der Entwicklung werden die durch das belichteten Keime katalytisch verstärkt und bilden so größere Silberkristalle als unbelichtet stellen.

Belichtung = Kristalle = undurchsichtig = Schwarz
Kein Licht = Durchsichtig = Weiß

Der Prozess wird dann gestoppt und es entsteht ein Negativ. Dieses ist nach dem Fixieren haltbar. Ein Umkehrfilm funktioniert genauso, nur wird hier nach dem Entwickeln das Silber aufgelöst und es bleibt eine weitere Schicht zurück die nun belichtet werden kann. So erhält man aus dem Negativ gleich ein Positiv.

Wenn man nun 3 unterschiedlich sensibilisierte Schichten mischt, erhält man einen Farbfilm. Also ist ein Farbfilm nicht wirklich anders als 3 hintereinander gelegte Schwarz-Weiß Filme die auf Blau, Rot und Gelb reagieren also entsprechend sensibilisiert sind.411px-Filmdose_Perutz_C_18

Um nun langsam mal den Bogen zu bekommen zum Bild und den Einfluss des Fotografen, geht es hier um den modernen Film. Der Film kann Silbersalze in unterschiedlicher Empfindlichkeit beinhalten. Je empfindlicher die Salze sind, desto schneller reagieren sie auf Licht. Damit sie schneller reagieren, müssen die Oberflächen größer sein, also wird das Korn gröber. Wenn man also mit weniger Licht auskommen möchte, gibt man einen Teil der Auflösung und des Kontrastes auf. Die Empfindlichkeit wurde, da wir ja in Deutschland sind vom Institut für Normung genau beschrieben, hier ein kleiner Auszug direkt aus Wikipedia:

Die Empfindlichkeitsmessung im DIN-System beruht auf der Belichtung der Materialien durch einen Stufengraukeil mit einer Konstante, die so beschaffen ist, dass ihr Dreifaches dem Zehnerlogarithmus von 2 gleich ist. Diese Konstante ist also eine gute Annäherung an 0,1. Die erste Zone unter dem Graukeil, dessen Dichte sich nach dem Entwickeln des Materials um mindestens 0,1 vom unbelichteten Material unterscheidet, bestimmt dessen Empfindlichkeit.

Alles verstanden ? Wichtig ist nur, dass wenn sich der DIN Wert um 3 Schritte erhöht,  die Empfindlichkeit des Films verdoppelt wird. Da die Amerikaner ja von Natur aus etwas pragmatischer denken (außer bei Längen, Geschwindigkeiten und jeglichem anderen Maßsystem) geht es bei ASA in 100er Schritten. 100 ASA zu 200 ASA entspricht einer Verdopplung der Empfindlichkeit. Die ISO und ASA Werte wurden um 1960 angepasst und um mehrere Stufen nach unten gesetzt.

Neben ASA und DIN gab es noch viele andere Verfahren wie GOST (russisch) oder Scheinergrade (der älteste Standard). Um nun der Verwirrung ein Ende zu setzen gibt es einen internationalen Standard von der International Organization for Standardization (ISO) dieser vereint die Werte der linearen ASA und des logarithmischen DIN zu einem. Ein ISO-Wert wäre z.B. “100/21°“. Der DIN Teil wurde nach und nach weggelassen. Heutzutage wird die ISO nur noch mit dem ASA Teil angegeben.

CK-1601

Mit der Filmempfindlichkeit hat man nun den ersten Teil den man als Fotograf beeinflussen kann. Wir können nun bestimmen ob der Film auf wenig Licht reagieren soll oder sehr viel Licht benötigt. Dadurch, dass das Korn und der Kontrast sich mit der Empfindlichkeit ändern ist es wichtig für das Bild die richtige Balance aus Empfindlichkeit und Körnigkeit zu finden. Das Korn kann auch gezielt als Stilmittel eingesetzt werden. Für ein Portrait oder eine Street-Szene ist ein ISO Wert von 3200 nicht unbedingt schlecht.

Film_Grain

Ein 100 ISO Film kann in der Entwicklung auch wie ein 400 ISO Film behandelt werden. So wird die Gradationskurve steiler. Klingt klasse, ist aber eigentlich nur wieviele Stufen zwischen Schwarz und Weiß existieren (bzw. beim Farbfilm zwischen einem satten gelb und einem sehr hellen gelb). Andersherum kann man einen 400 ISO Film wie 100 behandeln und die Übergänge werden weicher. Dies ist dann Push (100 zu 400) oder Pull (400 zu 100) Verfahren.

Es gibt sogar Filme mit 64 Iso oder weniger, die speziell für Landschaften gedacht sind (z.B. Kodakchrome 64). Aber auch Filme mit denen man bei schlechten Lichtbedingungen noch Fotografieren kann mit bis zu 6400 ISO. Also musste man beim Kleinbildfilm vorher wissen was man fotografiert, denn ein Wechsel war mitten im Film nicht möglich. Das war lange Zeit ein großer Vorteil der Großformatplatten.

Ein digitaler Sensor hat nun eine Basisempfindlichkeit, diese liegt mit Film verglichen bei 100 – 200 Iso. Wenn die ISO Zahl nun verändert wird, passiert Kamera intern nichts anderes, als dass das Signal verstärkt wird.  Aber wie man es von andren Signalen kennt hat auch das Verstärken eine Grenze. Hier sind nun Film und Sensor sehr ähnlich. Je höher die Empfindlichkeit desto mehr Korn (Film) / Rauschen (Sensor) erhält man. Viele vergleichen das digitale Rauschen mit altem Filmkorn. Ich kann dem Rauschen nichts abgewinnen.  Auch beim Sensor geht mit größerer Verstärkung immer mehr Kontrast verloren. Es hat sich also nichts grundlegendes geändert, auch beim Sensor nicht. Um sich besser ein Bild machen zu können was Rauschen ist, hier mal eine ISO-Reihe mit meiner Kamera. Und auch hier, weil ich faul bin, ein Blick aus meinem Fenster. Zwar keine Pariser Gassen aber Hell und Dunkel damit man das Rauschen gut beurteilen kann:

00_ISOTEST

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Natürlich geht die Entwicklung immer weiter und vor einiger Zeit wären Fotos bei 3200 ISO völlig unbrauchbar gewesen (Digital). Heutzutage kann man mit 6400 ISO gute Ergebnisse erzielen.

Zusammenfassend kann man sagen, ohne die Blende oder die Verschlusszeit an zufassen kann man bei einer gegebenen Menge Licht das Ergebnis beeinflussen. Denn die 2 anderen Faktoren verändern immer die Menge an Licht die auf den Sensor trifft. Doch um nun mit unserer Lochblende nicht nur halbscharfe Bilder zu bekommen, die zwar kurz belichtet sind, aber ansonsten nicht wirklich berauschend aussehen, sollten wir uns als nächstes die Linse anschauen.

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2 Comments

  1. Wie entsteht ein Bild ? Teil 03 – Das Objektiv | StationOnline - 10. November 2013

    […] wurde bereits Licht auf einen Film geworfen und dort sozusagen festgehalten. Unsere Lochblende macht nun herrlich unscharfe bzw. […]

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