Seagull – analoges Mittelformat

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Bevor es losgeht erstmal eine kleine Erklärung zu den verschiedenen Formaten. Heutzutage kennen die meisten Crop und Vollformat. Crop daher, da es sich um einen Ausschnitt des Vollformats handelt (z.B. Nikon 1,5 oder Canon 1,6) Allerdings gibt es wirklich viele Formate angefangen bei 1/3,2″ bis hin zum Mittelformat. Diese Formate sagen heutzutage aus welche physischen Abmessungen der Sensor hat.

Nun muss diese Einteilung ja irgend woher kommen. Zu analogen Zeiten bezeichnete die Größe keinen Sensor sondern die Abmessungen des Negatives bzw. des Abschnittes des Films der bei einer Öffnung des Verschlusses Licht abbekommen hat. Für die damals Professionelle Fotografie (Produkte etc.) wurden Großformatkameras genutzt. Diese haben auf ein Negativ-Film von 9 x 12 cm bzw. 13 x 18 cm aufgenommen. Eine Großformatkamera ist eigentlich nur ein Balgen mit einem Objektiv an einer Seite und einem Film bzw. einer Mattscheibe an der Anderen. Das ist aber ein anderes Thema.

Da nun diese Kameras sehr groß und schwer zu transportieren, gab es Mittelformat Kameras. Diese Belichten einen Bereich von 4,5 x 6 cm bis zu 6 x 12 cm. Wieder eine Stufe kleiner und kompakter waren die Filmpatronen, der Kleinbildfilm (36 x 24 mm). Am Ende hat sich der Kleinbildfilm für Amateure durchgesetzt. Die Kameras waren klein, leicht und immer dabei. Studioaufnahmen wurden weiterhin mit Mittel und Großformat aufgenommen.  Je kleiner das Negativ ist umso weniger Bildinformationen können aufgenommen werden. Doch durch den Kompromiss an Qualität, Mobilität und Vielseitigkeit hat sich das Kleinbildformat durchgesetzt . Eine Mittelformartkamera ist immer noch um einiges Größer als eine Kleinbildkamera.

Durch die weite Verbreitung wurde das Kleinbildformat zum Standard. Die Brennweiten der meisten Objektive werden in kleinbildäquivalenten Werten angegeben. Mein iPhone hat eine Brennweite von 4,13 mm was aufgrund der Größe des Sensors einer 35mm Brennweite am Kleinbild entspricht. Es wird von Vollformat gesprochen da ein APS-C bzw. DX Sensor ja nur ein Teil des vollen Kleinbildformats ist. Daher Crop und Vollformat. Also heißt in diesem Zusammenhang ‘Vollformat’ nicht gleich das Ende der Fahnenstange.

Durch einen glücklichen Umstand habe ich eine Seagull A4 Mittelformat TLR (Twin Lens Reflex) bekommen. So kann ich das Mittelformat testen ohne über 7.000 € auszugeben für eine gebrauchte (und relativ alte) Hasselblad mit Digiback. ;)

 

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Diese Kameraart heißt Twin Lens Reflex, da sie 2 Linsen hat. Die Obere wird über einen Spiegel auf eine Mattscheibe umgelenkt und wird zum komponieren des Bildes benutzt. Die Zweite untere Linse wird genutzt um den Film zu belichten. Die Seagull ist ein Nachbau einer Zeiss Ikonflex bzw. der Rolleiflex von Rollei. Welche jetzt genau das Original ist weiß ich nicht. Weiterhin ist der Yashika nachbau sehr beliebt.

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Da man von oben in einen Lichtschachtsucher schauen muss, ergibt sich die für heute etwas ungewöhnlichere Perspektive aus Bauchhöhe. Damals gab es viele Fotografen die alles getan haben um eben diese Perspektive zu vermeiden um aufzufallen. Da die Kamera komplett manuell ist und keine Automatiken besitzt, muss man einen Belichtungsmesser benutzten (oder das passende iPhone-App).

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Dieser wir in die Richtung des zu erstellenden Fotos gehalten und dann solange einstellt bis der Kreis und der Zeiger übereinander stehen. Nun kann die Belichtungszeit für die entsprechende Blende abgelesen werden und an der Kamera mittels der 2 Hebel rechts und links der unteren Linse eingestellt werden. Über die 3 Elemente 75mm F3,5 Linse wird dann der Film belichtet. Da allerdings ‘nur’ 12 Aufnahmen auf einen Film gehen, sollte man schon genau wissen was man aufnimmt. Spray and Prey ist hier fehl am Platz.

Achso, Fokussieren sollte man natürlich vorher auch noch. Der Fokus wird über den an der linken Gehäuseseite angebrachten Knopf eingestellt.

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Hier kann man dann auch anhand der Linien erkennen wie groß die Tiefenschärfe ist bei der eingestellten Blende. Das Mittelformat hat ein ganz eigenes Aussehen, schon allein durch den Quadratischen beschnitt wirkt das Bild ganz anders. Das macht Lust auf mehr. Ich habe zum testen einen 400er ISO Illford HP5 genommen und einfach mal ein paar Aufnahmen gemacht. Das gute ist, diesen Film kann ich Zuhause entwickeln und scannen. Genutzt wird in diesen Kamera ein 120er Rollfilm. Dieser ist auf einer Kunststoffrolle aufgerollt und mit einer Papierschicht geschützt. So habe ich am selben Tag noch ergebnisse in der Hand. Sicherlich nicht ganz im langsamen Sinne der analogen Fotografie, aber man ist ja neugierig.

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Ich denke das man so auf jeden Fall mehr über Fotografie lernen kann, da man gezwungen ist das Zusammenspiel zwischen Blende, Zeit und ISO noch mehr zu verinnerlichen. Man hat nicht die Chance auf dem dem Display alles zu überprüfen oder sich ein Histogram anzeigen zu lassen und gegebenenfalls mehrere Aufnahmen zu machen. Eine Sache die man vielleicht auch auf die Digitale Fotografie übertragen kann.  Aber hier nun noch ein paar Bilder meines ersten Streifzuges mit dem Mittelformat.

 

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2 Comments

  1. Lomo Lubitel 166 Fokus einstellen | StationOnline - 6. Dezember 2013

    […] handelt sich um eine TLR Kamera (Twin Lens Reflex) also wird wie bei der Seagull über eine Linse scharf gestellt und ausgerichtet aber über eine zweite bessere Optik das Bild […]

  2. Jürgen - 3. März 2014

    Ein schöner Bericht über eine ebenso schöne und auch bezahlbare Möglichkeit eine Mittelformat-Kamera auszuprobieren. Ich liebe meine möve. Bin hier beim analogen rumwürfen vorbei gekommen und bin begeistert von deiner Seite.

    Viele Grüße Jürgen

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